"Neue Wilde" im Fluss der Zeit
Es gibt Charityveranstaltungen und Kunstevents. Und dann gibt es noch Charityveranstaltungen mit einem Kunstevent. Meistens wird bei diesen – um dem zahlungskräftigen Publikum möglichst viel aus der Tasche zu locken – gefällige Kunst in kleinem Format verkauft, frei nach dem Motto – nur ja nicht zu teuer oder zu irritierend – sonst kommt kein Geld in die Kasse. Ausgerechnet ein Steuerberatungsunternehmen wagt sich jetzt an eine Ausstellung, in der zeitgenössische, brandaktuelle Kunst mit großem Format einem Publikum präsentiert wird, das Gelegenheit hat zu kaufen, und damit auch für einen wohltätigen Zweck auftritt. Die Firma BW-Partner aus Stuttgart zeigt in der Ausstellung „Neue Wilde im Fluss der Zeit“ Bilder von Baselitz, Penck, Lüpertz, Elvira Bach und Dalip Kryeziu und lässt einen Teil des Gewinnes an Kinderhilfsprojekte fließen. Dass unter den allseits bekannten und arrivierten Namen auch der eines Newcomers steht, zeugt von der hemmungslosen Experimentierfreude, mit der hier ans Werk - oder besser – an die Ausstellung gegangen wird. Mit Dalip Kryeziu hat sich der Veranstalter einen Künstler ausgesucht, der eine Generation jünger ist als die Vertreter der Neuen Wilden. Ganz bewusst, um exemplarisch an ihm zu zeigen, dass es auch heute noch möglich ist, als Künstler ausschließlich Malerei zu betreiben und damit zu reüssieren. Die Auswahl ist geglückt, denn in den großen, farbintensiven Arbeiten des geborenen Kosovo-Albaners setzt sich tatsächlich jene Lust an der Malerei fort, die in den 60er- und 70er Jahren totgesagt war und erst durch die Neuen Wilden ein wahres Come-back feiern konnte. Eigentlich war es Dalip Kryeziu selbst, der den Kunstliebhaber Martin Wulf auf die Idee eines Festes für die Malerei brachte. Der zwischen Mailand und Kopenhagen, Tirana und New York wie ein Besessener in Sachen eigener Kunst reisende Künstler hat es sich zum Ziel gesetzt, mit seiner Malerei international bekannt zu werden. Damit ist er in guter Gesellschaft mit vielen Tausenden seiner Zunft, seine Motivation jedoch ist einzigartig. Seine persönliche Triebfeder spannt sich aus dem Wunsch, der Welt zu zeigen, dass seine ehemalige Heimat, der Kosovo, mehr hervorbringt als kriegerische Gräueltaten und die Menschen dieses nach wie vor bettelarmen Landes zu mehr fähig sind, als zu Ackerbau und Viehzucht. Dalip Kryeziu stammt aus einer kosovarischen Großfamilie, hütete als kleiner Junge am Feld die Schafe und war der einzige seiner Sippe mit einer höheren Schulausbildung. Nach seinen Schuljahren bereiste er Europa – mit dem Auto, dem Zug oder auch per Anhalter, um sich alle großen Städte mit ihren Kunstschätzen, den Galerien und Museen anzusehen. Die Mittel dazu verdiente er sich als Portraitzeichner auf der Straße, was ihn schließlich nach seinen „Lehrjahren“ wie er sie bezeichnet dazu brachte, sich beinahe ausschließlich einem Sujet zuzuwenden – dem menschlichen Kopf. „Ich habe sicherlich tausende Menschen portraitiert und oft waren es schreckliche Bilder“, gibt der Künstler in seiner offenen, sympathischen Art zu und ergänzt: „Portraits zu malen, so wie es überall auf der Welt auf der Straße geschieht, macht keinen Sinn – Fotografen können bessere Portraits machen“. Erst nachdem er sich in Österreich niedergelassen hatte begann er damit, sich so künstlerisch auszudrücken, wie es für ihn „Sinn“ machte. Innerhalb der letzten 20 Jahre hat er sich ein Formenvokabular angeeignet, dass eine persönliche Handschrift erkennen lässt, die fesselt. Seine überdimensionierten Köpfe, können den Betrachter in dunklen schwarz-grauen Schattierungen bedrohlich ansehen aber auch in knalligem Gelb, aus vielen übereinander gelegten Farbschichten förmlich entgegenspringen. Sie halten der arrivierten Kunst der Neuen Wilden der 80er Jahre stand – was für ihre Qualität spricht. „Die Farbintensität von Elvira Bach, die Kürzel von A.R. Penck, die ununterbrochene Beschäftigung mit dem Thema Malerei wie bei Baselitz sowie die Neuerarbeitung dieses Genres von Lüpertz – all das sind Momente, die man auch in meiner Malerei finden kann“ gibt sich Kryeziu nicht unbescheiden und fügt hinzu: „Schön wäre es, wenn die Schau aus den Räumen von BW-Partner in ein Museum wechseln könnte“, in der Hoffnung, irgendwo draußen offene Ohren zu finden – zwischen Mailand und Kopenhagen, Tirana und New York. Die Schau „Neue Wilde im Fluss der Zeit“ läuft vom 13. – 21. November. Sie ist zu sehen in den Räumen der Firma BW Partner, Hauptstraße 41, 70563 Stuttgart-Vaihingen Kaufinteressenten haben die Möglichkeit, die Ausstellung vom 9. - 11. November zu besichtigen. Ein Teilerlös wird in Spielfiguren investiert die an alle Stuttgarter Kindergärten vergeben werden, der Rest geht an die „Olgäle-Stiftung für das kranke Kind e.V.“




















































