Donnerstag, 23.02.2012 04:36 Uhr

War das der Regisseur??!!

Verfasser: Michaela Preiner Wien, 07.09.2011, 13:37 Uhr
Presse-Ressort von: Dr. Michaela Preiner Bericht 4473x gelesen
8790 ... und Hoffnung auf immerdar
8790 ... und Hoffnung auf immerdar  Bild: Gallhofer

Wien [ENA] Das TIB (Theater im Bahnhof) aus Graz präsentierte in Eisenerz vor ausverkauftem Haus seine neueste Produktion 8790...und Hoffnung auf immerdar. Zustande kam diese „Heimatfilmperformance“ im Rahmen des Festivals eisenerZ*ART, das zum zweiten Mal veranstaltet wird.

Regisseur Helmut Köpping bearbeitete darin mehrere Themen, die sich ineinander verstrickten und so den Reiz - aber auch die Irritation - des Abends ausmachten. Abwanderung aus wirtschaftlich schwachen Regionen, die Plattitüden von Reality-Fernsehformaten, kurze Endzeitszenarien, Reflexionen über die persönlichkeitsstiftende Funktion von Kleidung aber auch jede Menge Poesie steckte in dieser fast schon collageartigen Film-Performance.

Das Publikum wurde Zeuge einer Vorbereitung zu einer Talk-Show, in welcher die Talkmasterin Juliette Eröd den „Regisseur“ Rupert Lehhofer eingeladen hatte. Dieser hatte Filmmaterial mitgebracht, das er zu einer Fernsehshow verarbeiten wollte. Darin kamen nicht nur die Eisenerzerin Nicole Zaiser – die vom TIB für diese Produktion als Laiendarstellerin gecastet wurde - sondern auch Schauspielerinnen und Schauspieler des Ensembles vor. Ergänzt und abgerundet wurde diese Mischung aus Fernsehunterhaltung und Doku von Eisenerzerinnen und Eisenerzern, die ihre persönliche Sicht auf die Stadt und die empfundenen Problematiken klar machten.

Besonders hervorzuheben ist dabei Sarah Steyrleithner, die mit einem Gedicht über den Erzberg aus Eigenproduktion brillierte, in welchem dieser sich in verwehtem Sand auflöst, sowie Rainer Steyrleithner , der mit einer unglaublich lustigen Aufzählung seiner bisherigen, beruflichen Tätigkeiten die Herzen der Zuseherinnen und Zuseher im Sturm eroberte. Gabi Hiti, Eva Hofer und Martina Zinner, die das Aufnahmeteam rund um ihren erfolglosen Regisseur typensicher gewollt überzeichnet auf die Leinwand brachten, sowie Lorenz Kabas, der in seiner Rolle als Freier all seine komödiantischen Register ziehen konnte, steuerten den professionellen Schauspielpfeffer bei.

Die Mischung aus dem TIB-Ensemble und Laien, aber auch das ständige Auf und Ab, oder besser Hin und Her zwischen Realität und Fiktion brachten so manche aus dem Publikum gedanklich auf eine falsche Spur. Dies erlebte Rupert Lehofer bei den Gesprächen mit dem Publikum im Anschluss, in welchen er des Öfteren mit „Herr Regisseur“ tituliert wurde. Sicherlich sehr zur versteckten Freude von Helmut Köpping, der gerade darin eine Bestätigung seines Konzeptes erfuhr. Was ist Realität, wer macht sie, wie wird sie durch die Vorgabe der Medien wahrgenommen sind Fragen, die sich, wie man an diesem Theaterabend gesehen hat, nicht nur in der Medientheorie stellen.

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