Montag, 21.05.2012 03:38 Uhr

Frankfurts „Langer Kerl“

Verfasser: Rainer Michelmann (Pia/SFM) Frankfurt/Main, 14.02.2012, 09:57 Uhr
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Frankfurt/Main [ENA] VGF präsentiert ersten „U5-50“ – Stadträte Majer und Becker: „Notwendige Investition in die Zukunft“.Sechs Drehgestelle, zwölf Achsen, drei Gelenke, 50 Meter lang – das ist der neue U-Bahn-Wagen der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), der von Mitte Februar 2012 an auf den Linien U1, U2, U3 und U8 eingesetzt werden soll. Das erste Modell wurde im Rahmen einer Werkstattführung neu konstituiert.

Die VGF erhofft sich mit dem Einsatz dieser Bahnen eine Verbesserung des subjektiven Sicherheitsgefühls ihrer Fahrgäste, zumal die abends als U-Bahn-Begleitung eingesetzten Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts nun den ganzen Zug ohne ständiges Umsteigen im Blick halten können. Die Fahrzeuge des Typs „Flexity Swift“ erhalten die Bezeichnung „U5-50“. Sie bestehen aus zwei jeweils 25 Meter langen Einheiten des von Bombardier Transportation (BT) produzierten und seit 2008 ausgelieferten Typs „U5“.

Während es sich bei den 2008 gelieferten Fahrzeugen um Zweirichtungswagen mit Fahrerkabinen an beiden Köpfen handelt, verfügen die im Dezember 2011 ausgelieferten Wagen 801 und 802 nur über eine Fahrerkabine und einen Notführerstand an der anderen Seite, mit dem der Zug bei Rangierfahrten oder Unfällen bewegt werden kann. Für den Linienbetrieb werden die Fahrzeuge in der Mitte kurz gekuppelt, sodass ein durchgehender U-Bahn-Zug entsteht. Die VGF wird zunächst 92 dieser „Einrichter“ erhalten, die dann zu 46 langen „U5-50“-Einheiten gekuppelt werden. Bis auf das Übergangsmodul und die fehlende zweite Fahrerkabine unterscheiden sich die Fahrzeuge nicht von den bisher gelieferten Exemplaren.

Getrennt werden sie nur auf dem Betriebshof, zum Beispiel für die Waschanlage oder nach Unfällen. Dann müssen die beiden Teile auch separat in die Werkstätten überführt werden. In der Seitenwand am Faltenbalg ist dazu ein Hilfsführerstand eingebaut, der einfach ausgeklappt werden kann. Die abschließenden Glastüren sind im Fahrgastbetrieb offen und nicht zu sehen.

Ansonsten verfügt der „U5-50“ über den Qualitätsstandard, den schon die kürzeren Wagen (bezeichnet als Typ „U5-25“) seit drei Jahren setzen: Die Bahnen sind klimatisiert und mit Videoüberwachung sowie einem modernen Fahrgast-Informationssystem ausgestattet, das die nächsten Stationen, die dortigen Umsteigemöglichkeiten und die jeweilige Ausstiegsseite anzeigt. Die gelben Haltestangen verfügen über geriffelte Flächen zur besseren Griffigkeit, die Ausstiegsbereiche der acht Türen pro Seite sind durch ihre orangen Wandverkleidungen leicht zu erkennen.

Ein normaler „U5-25“ bietet 48 Sitz- und 136 Stehplätze. Auf Grund einer veränderten Sitz-Anordnung am Übergang verfügt sein längerer Bruder über 94 Sitz- und mehr als die nominell 272 Stehplätze, da im Übergang mehr Platz vorhanden ist. Für Kinderwagen, Rollstühle oder Fahrräder stehen vier großzügig offene Abteile zur Verfügung. Die in der Nähe liegenden Türen sind von außen mit einem gut sichtbaren gelben Balken an der Oberkante gekennzeichnet. Großen Anteil an dieser mobilitätsgerechten Ausstattung der Fahrzeuge hatten vor 2008 der Fahrgastbeirat und die Frankfurter Behinderten-Arbeitsgemeinschaft (FBAG).

Der am Freitag in der Stadtbahn-Zentralwerkstatt vorgestellte Zug gehört zu der Beschaffung von insgesamt 146 Fahrzeugen des Typs „U5“ für rund 320 Millionen Euro. Diese Bahnen werden seit 2008 und noch bis 2015 geliefert. Im vergangenen Dezember hat der Aufsichtsrat der VGF der Beschaffung weiterer „U5“-Fahrzeuge zugestimmt: 40 „U5-25“ und 19 „U5-50“ ergeben insgesamt 78 neue 25-Meter-Einheiten, die Bombardier zwischen 2014 und 2017 ausliefern wird.

„Die neuen Fahrzeuge sind notwendig, weil zum einen am westlichen Ende der Linie U5 eine Netzerweiterung ins Europa-Viertel ansteht, zum anderen weil auch die zu Beginn der 1980er Jahre für die Linie U4 gekauften Bahnen ‚in die Jahre’ kommen und ersetzt werden sollen“, umschrieb Verkehrsdezernent Stefan Majer den Hintergrund dieser erneuten Bestellung bei Bombardier. „Wir müssen das hohe Niveau, das wir in den vergangenen Jahren erreicht haben, halten und nach Möglichkeit ausbauen.“

Zusammen mit zehn neuen Straßenbahn-Wagen der „S“-Klasse – Lieferung von Dezember 2013 an – hat der Auftrag ein Volumen von weiteren rund 200 Millionen Euro. Uwe Becker, Stadtkämmerer und Beteiligungsdezernent, der im Aufsichtsrat der VGF für diese Anschaffung stimmte, sagte dazu: „Diese Investitionen zeigen die Leistungsfähigkeit der städtischen Gesellschaft VGF. Sie ist umso bemerkenswerter, da Fahrzeuge schon lange nicht mehr vom Land Hessen gefördert werden, Stadt und VGF diese notwendige Investition in die Zukunft des öffentlichen Verkehrs in Frankfurt aber trotzdem stemmen können. Denn Ausbau und Entwicklung des öffentlichen Verkehrs sind unverzichtbare Bestandteile einer vernünftigen städtischen Entwicklung.“

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